Nachrichten rund um die Initiative

23. Juli 2019

„Kommunikation ist das A und O! Hier sollten die Einzelhändler ansetzen“

Das Thema „Innenstadtverödung in Deutschland“ ist überall präsent. Immer wieder müssen kleine Läden ihre Türe schließen, obwohl sie einzigartig sind und mit viel Charme und Individualität überzeugen. Um dem Ladensterben entgegenzuwirken, müssen die Händler aber selbst die Ärmel hochkrempeln. Wie kann ich mich absetzen? Wie kann ich bei den Kunden in Erinnerung bleiben? Einer, der hier die richtigen Ansätze kennt, ist der Soziologe Michael Borchardt, seit über 20 Jahren Berater und Coach im Handel und seit 2019 einer der Experten unserer Initiative für Gewerbevielfalt.

Herr Borchardt, welche Faktoren sind besonders wichtig, um ein Geschäft erfolgreich zu betreiben?

Michael Borchardt: Es kommt natürlich immer darauf an, in welcher Branche man sich bewegt – aber eine Sache, die überall gleich wichtig ist, ist die Kommunikation! Wie begrüßt der Einzelhändler seine Kunden? Wie schafft er es, zuzuhören und auch wirklich auf ihre Wünsche und Bedürfnisse einzugehen? Kunden möchten sich rundum wohlfühlen: Aber das tun sie noch lange nicht, nur weil ein Geschäft zum Beispiel mit modernster Technik ausgestattet oder stylisch eingerichtet ist, aber trotzdem die Menschlichkeit fehlt. Die Einzelhändler sollten einen Perspektivwechsel versuchen, experimentierfreudig sein und für ihre Kunden eine exzellente Beratung und Entscheidungshilfe darstellen. Kommunikation ist das A und O!

„Einzelhändler! Jetzt ist die Zeit für Kooperationen und Netzwerke, online wie offline – vor Ort und in der Region!“ (Michael Borchardt, Berater & Coach im Handel)

Welche Maßnahmen kann man noch ergreifen?

Michael Borchardt: Ich finde es wichtig, dass der Einzelhändler während des Einkaufserlebnisses einen Moment schafft, durch den er später in Erinnerung bleibt. Einfach mal etwas tun, was niemand erwartet, „Out of the box“-Denken! Das kann natürlich der Klassiker sein – das Gläschen Prosecco „in die Hand“ – super, wenn es überraschend kommt. Aber vielleicht noch wichtiger: Authentizität – die Kunden ernsthaft mit allen ihren Sinnen ansprechen. Und damit in deren Bedürfniswelt eintauchen. Hört sich easy an – ist aber im Alltag selten anzutreffen. Händler sollten Gelegenheiten initiieren, ihre Kunden auch nach Ladenschluss zu treffen – im Laden oder außerhalb – bei Seminaren, Verkostungen, Vernissagen, VIP-Kunden-Partys, etc.. Dazu sollten die Einzelhändler natürlich stetig mit ihren Kunden in Kontakt bleiben: Wenn sie Social Media Kanäle haben, müssen diese auch bespielt werden – mit Posts und Tweets zu aktuellen Aktionen und Specials. Ein Mailing in Form eines Newsletters ist auch eine gute Idee, die man seinen Kunden anbieten kann oder – wenn möglich – kann man sogar versuchen, einen Beitrag über das Geschäft im regionalen Medienumfeld zu platzieren. Flyer oder auch Sticker für verkaufsoffene Sonntage – es gibt zahlreiche Möglichkeiten, wie man sich absetzen kann!

Wie kann man sich als Einzelhändler zudem einer breiteren Masse sichtbarer machen?

Michael Borchardt: Insbesondere beim Thema Digitalisierung gibt es eine ganze Reihe von Ansätzen. Die Einzelhändler sollten sich die Frage stellen: Wie kann auch ich vom Online-Handel profitieren? Wie verbinde ich mein Geschäft vor Ort mit dem Internet und mache gleichzeitig auf mich aufmerksam? Entwickle ich meine eigene Website oder schließe ich mich einem bestehenden Marktplatz an? Am sinnvollsten meiner Meinung nach ist es, sich mit seinem Angebot und seinen Produkten auf einem regionalen Marktplatz zu zeigen und den Kunden durch die Bestellung ihrer Lieblingsprodukte per Klick vor allem eines zu bieten: Service und Zeitersparnis – es soll Spaß machen und bequem sein!  Zusammen mit Kollegen arbeite ich gerade an einem solchen Modell für das Rhein-Main-Gebiet und freue mich schon, wenn wir bald an den Start gehen!“


Über uns:
Die Initiative für Gewerbevielfalt setzt sich für den lokalen Einzelhandel und inhabergeführte Kleingewerbe in Deutschlands Städten und Gemeinden ein.
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