Nachrichten rund um die Initiative

1. Juli 2020

„KMU in der Corona-Krise – Neue Herausforderungen und Chancen“

Prof. Dr. Hesse ist Experte unserer Initiative und Professor für Allgemeine BWL & Marketing an der Hochschule Koblenz. Im Interview resümiert er die bisherigen Folgen der Pandemie für den Einzelhandel und skizziert die langfristige Perspektive für Unternehmen und Händler.

Lieber Herr Prof. Dr. Hesse, wie hat Corona die Situation im Lokalgewerbe verändert? Welches Fazit ziehen Sie aus den vergangenen Monaten?

Hesse: Zum einen hat die Corona-Pandemie zu Veränderungen im Kaufverhalten geführt. Viele Verbraucher mussten sich umstellen, da Ladengeschäfte schlicht und einfach nicht verfügbar waren. Daraus resultierte natürlich unter anderem ein zunehmender Druck auf den lokalen Einzelhandel. Zugleich führte es aber auch zu unternehmerischen Aktivitäten. Viele lokale Einzelhändler haben ihr Angebot in Sachen Bestell- und Lieferservices sehr schnell auf zusätzliche Kanäle ausgeweitet und zugleich die Kundenkommunikation verändert. Ich glaube, manchen ist es so gelungen, die Auswirkungen der Pandemie zumindest etwas zu begrenzen.

Was würden Sie sagen: Corona – „Game-Changer“ oder Katalysator für bestehende Probleme?

Hesse: Ich würde sagen, BEIDES. Für manche vielleicht wirklich eine Art Art Game-Changer, da neue Kundenkontaktpunkte aufgebaut oder auch Produktsortimente erweitert wurden. In vielen Fällen verstärkt die Pandemie zugleich bestehende Entwicklungen. Stationäre Händler haben ihre Stärken, eine Monofokussierung auf den stationären Kanal ist jedoch sehr riskant. Hier hat die Pandemie aufgezeigt, dass Mehrkanalsysteme und eine digital etablierte Kundenkommunikation Flexibilität und Sicherheit geben.

Stichwort neue Herausforderungen und Chancen: Wie schaffen Einzelhändler es, ein auf die derzeitigen Bedürfnisse der Kunden zugeschnittenes Angebot zu entwickeln?

Hesse: Ich glaube, die Pandemie hat diesbezüglich nicht wirklich etwas geändert. Produkte erleben, ausprobieren und kennenlernen. Zeit verbringen und flanieren. Einen Menschen finden, dem man vertrauen kann und der einem hilft. Dies sind nur drei Beispiele für Bedürfnisse, die Kunden – insbesondere bei neueren und komplexeren Produkten – weiterhin haben, und die der lokale Fachhandel langfristig besser befriedigen kann als Online-Pure-Player.

Kennen Sie besonders positive Beispiele für kreative Krisen-Konzepte?

Hesse: Mich haben einige begeistert. Ein Werbemittelhändler, der blitzschnell eine Mundschutzmasken-Plattform etablierte und Großaufträge gewinnen konnte. Ein Restaurant, das mir das kulinarische Erlebnis zuhause ermöglichte. Ein anderes Restaurant, das meinen Kindern das Spaßerlebnis zuhause ermöglichte. Ein Apotheker und ein Schnapsbrenner, die zusammen Desinfektionsmittel produzieren. Alles in allem, diejenigen die agierten und nicht „klagten“ – Macher halt. Aus Marketingsicht ist es spannend zu beobachten, wie die Markenkommunikation die Themen aufgriff.

Was kommt in der nächsten Phase der Pandemie auf den Einzelhandel zu?

Hesse: Aus Sicht des Einzelhandels ist zu befürchten, dass das Konsumverhalten in vielen Branchen zurückhaltend bleibt. Solange es wenig öffentliche Veranstaltungen und weniger Tourismus gibt, leiden diverse Branchen. Im gleichen Atemzug möchte ich aber auch betonen, dass eine gewisse Beruhigung und Reduzierung des übertriebenen Konsums der vergangenen 10-20 Jahre ein Phänomen ist, das gesellschaftlich und ökologisch sehr positiv ist.

Mehr zum Thema GVI, der CIVEY-Umfrage und dem Whitepaper „Das Ende der Gewerbevielfalt?“ von unserer „Initiative der Gewerbevielfalt“ powered by Das Telefonbuch.

 


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