Nachrichten rund um die Initiative

1. September 2020

„Die Situation bleibt weiterhin herausfordernd“

Die Deutsche Industrie- und Handelskammer vertritt die gesamte gewerbliche Wirtschaft in Deutschland aus Industrie, Handel und Dienstleistungen – vom Kioskbesitzer bis zum Großkonzern. DIHK-Mittelstandsexperte Marc Evers geht im Interview auf die durch Corona entstandenen Herausforderungen ein und gibt zudem eine Einordnung zur CIVEY-Umfrage von unserer Initiative für Gewerbevielfalt powered by Das Telefonbuch

Welche Folgen hat Corona für kleine und mittelständische Unternehmen?

Marc Evers: „Die Auswirkungen der Corona-Pandemie treffen die deutschen Unternehmen hart. Das ergibt sich aus unseren DIHK-Corona-Blitzumfragen. Danach berichten 56 Prozent der Betriebe von weniger Nachfrage, 42 Prozent von stornierten Aufträgen und mehr als 40 Prozent von Liquiditätsengpässen. Hinzu treten Herausforderungen im internationalen Geschäft wie Reiseeinschränkungen und Probleme in der Lieferkette. Die Wirtschaft ist in ihrer Breite betroffen – besonders Industrie, Reisewirtschaft, Verkehr und Logistik, Messeanbieter und Veranstalter. Im Hinblick auf ihre Finanzierungssituation sind gerade kleine und mittelständische Unternehmen schwer getroffen. Auch der Eigenkapitalrückgang belastet die kleineren Unternehmen überdurchschnittlich stark. Das verkleinert nicht nur den notwendigen Spielraum für Zukunftsinvestitionen, sondern stellt auch viele mittelständische Betriebe vor existenzielle Herausforderungen. Die Corona-Pandemie hat die Innenstädte und Ortszentren, allen voran Gastgewerbe, aber auch den innerstädtischen Handel, beispielsweise Bekleidungs- und Schuhläden, besonders hart getroffen. Laut DIHK-Umfragen rechnet mehr als die Hälfte der Gastronomen mit über 50 Prozent Umsatzrückgang für das laufende Jahr. Die Bekleidungsgeschäfte haben laut Statistischem Bundesamt aktuelle Umsatzeinbußen von 29 Prozent, Schuhläden und Lederwaren von 25 Prozent.“

Wie schätzen Sie die weitere wirtschaftliche Entwicklung ein? Worauf müssen sich KMU einstellen?

Marc Evers: „Auch wenn sich derzeit die Stimmung etwas aufgehellt hat – die Situation bleibt weiterhin herausfordernd. Rund die Hälfte der Unternehmen rechnet frühestens im nächsten Jahr mit einer Rückkehr zur Normalität der Geschäfte, unter den kleineren und mittleren Betrieben sind es sogar noch etwas mehr. Die weitere wirtschaftliche Entwicklung hängt zudem nicht nur von der konjunkturellen Lage in Deutschland ab. Knapp die Hälfte des deutschen Bruttoinlandsprodukts hängt am Export – eine wirtschaftliche Erholung wird also auch dadurch bestimmt, wie schnell eine Erholung in anderen Teilen der Welt gelingt.“

In unserer CIVEY-Befragung der Initiative für Gewerbevielfalt stimmten Entscheider aus KMU ab: 40% sehen die Unternehmen in der Pflicht selbst den Aufschwung zu schaffen, 44% fordern einen Bürokratieabbau und eine Förderung durch die Politik. Wie schätzen Sie dies ein?

Marc Evers: „Es ist wichtig und richtig, dass die Bundesregierung die Krisenhilfen für die Wirtschaft immer wieder anpasst und fortentwickelt. Wir brauchen aber zusätzliche Rahmenbedingungen, damit Betriebe sich positiv aus der Krise heraus entwickeln und sich an die neuen Herausforderungen anpassen können. Bürokratieabbau und niedrigere Belastungen durch Steuern sind gerade für den Mittelstand ganz wichtige Elemente. Weit oben auf der Liste der notwendigen Maßnahmen stehen für die Unternehmen zudem die Reisefreiheit für Geschäftsreisende und eine Normalisierung des internationalen Austausches von Waren und Dienstleistungen. Dabei zeigen die Gewerbetreibenden in den Innenstädten und Ortszentren bereits ein außerordentliches Engagement, um Shopping und Restaurantbesuch trotz Corona-Einschränkungen attraktiv zu machen. Um dieses Engagement zu unterstützen, regen wir an, die Mittel der Städtebauförderung gezielt für Kooperationsansätze zur Belebung von Zentren einzusetzen. Überdies könnten auch die rechtlichen Rahmenbedingungen, beispielsweise im Rahmen der Baugesetzbuchnovelle geschärft werden, um die Flächenentwicklung von Gewerbe voranzutreiben und beispielsweise die Außengastronomie durch eine Reform der Lärmvorgaben zu stärken.“


Über uns:
Die Initiative für Gewerbevielfalt setzt sich für den lokalen Einzelhandel und inhabergeführte Kleingewerbe in Deutschlands Städten und Gemeinden ein.
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