Nachrichten rund um die Initiative

15. Juli 2020

„Wie bei allen kritischen Themen entscheidet der Konsument wesentlich mit.“

Regiona – das sind inhabergeführte lokale Händler und regionale Hersteller aus dem Chiemgau und der Umgebung. Auf der Onlineplattform regiona.shop werden regionale Erzeugnisse „made in Chiemgau“ und lokale Produkte der Anbieter vorgestellt. Die Bestellung kann vor Ort abgeholt oder deutschlandweit geliefert werden.  Die Devise: Wenn Online-Shopping, dann bei lokalen Händlern, die in ihrer Region weiterhin für ein stationäres Angebot sorgen.
Seit kurzem ist Regiona ein regionales Projekt unserer „Initiative für Gewerbevielfalt powered by Das Telefonbuch„. Mora Netopil steht im Interview Rede und Antwort.

Welche konkreten Auswirkungen durch Corona sind bei Ihnen spürbar?

Mora Netopil: Unsere geplanten Eventveranstaltungen 2020 sind ausgefallen. Auch unseren geplanten Pop-up Store mussten wir auf unbestimmte Zeit verschieben. Dennoch hat unser Netzwerk natürlich in dieser Zeit sehr viel Zuspruch erhalten, da Digitalisierung plötzlich ein großes Thema im Einzelhandel war, auch bei denen , die sich bis dato weniger damit auseinander gesetzt hatten.

Und was haben Sie aus Corona bislang „gelernt“?

Mora Netopil: Dass das Glas nicht immer halb voll oder halb leer ist. Es gibt ganz viel dazwischen. Manche Einzelhändler, haben den Lockdown genutzt, um z.B. Renovierungsarbeiten durchzuführen, die überfällig waren. Es ist super, wenn es diese Positivbeispiele gibt, die über die notwendigen Reserven für so etwas verfügen und die außergewöhnliche Zeit effektiv für sich nutzen konnten. Aber es gibt auch die, für die der Lockdown existenzbedrohend war und immer noch ist. Auch diese haben meiner Meinung nach eine Daseinsberechtigung. Denn dank diesen besonderen kleinen Läden haben wir ein vielfältiges Angebot auch in den ländlichen Regionen. Die Alternative wäre man hat im Radius von 50 km nur noch ein Blumengeschäft, nur noch einen Herrenausstatter oder nur noch eine Buchhandlung. Mancher Orts ist das leider schon Realität.

Wo sollte der stationäre Einzelhandel aus Ihrer Sicht vermehrt drauf setzen? Und wo setzen Sie genau mit Ihrem Projekt an?

Mora Netopil: Konkurrenzdenken ablegen und vernetzten. Sich gemeinsam mit Gleichgesinnten für lokales und regionales Einkaufen einsetzen. Es gibt zwei Ansätze, um etwas zu bewegen: Entweder ich setzte mich als kleiner auf die Schultern eines Großen oder viele Kleine schließen sich zusammen und werden so sichtbar. Unser Projekt verfolgt Letzteres. Wobei wir uns als Netzwerk auch mit regionalen Akteuren, also den „Großen“ verbinden. Inhaltlich geht es uns besonders um das Schaffen von einzigartigen Einkaufserlebnissen. Offline und Online. Hier braucht es innovative Ideen, die gemeinsam mit Anbietern entwickelt und umgesetzt werden müssen. Ein Onlineshop allein oder ein Instagram-Account lösen nicht die Probleme des lokalen Handels. So einfach ist es leider nicht. Es gehört sehr viel mehr dazu.

Wie beurteilen Sie insgesamt die Lage des Einzelhandels und von KMU?

Mora Netopil: Herausfordernd und schwierig aber nicht hoffnungslos. Es wird eine Zukunft für den Einzelhandel geben, auch wenn diese anders aussehen wird als heute.

Was sagen Sie zu den politischen Maßnahmen?

Mora Netopil: In dieser außergewöhnlichen Situation politisch notwendig, aber betriebswirtschaftlich natürlich für viele nicht annähernd kostendeckend und ausreichend, um alle negativen Folgen aufzufangen. Was die zeitweise Reduzierung der MwSt. angeht ist der Tenor in unserem Netzwerk eher „Mehr Aufwand, als Nutzen“.

Das Telefonbuch engagiert sich als Partner des Mittelstands mit der „Initiative für Gewerbevielfalt“. Sollte Ihrer Meinung nach ein stärkeres Bewusstsein der Konsumenten geschaffen werden, dass der lokale Handel durch große Ketten mehr und mehr vom Aussterben bedroht ist?

Mora Netopil: Es sind nicht allein die „bösen“ Ketten und es ist auch nicht nur der große Online-Riese schuld. Wie bei allen kritischen Themen entscheidet der Konsument wesentlich mit. Natürlich wird es immer schwerer auf kleine Läden zurückzugreifen. Insbesondere im ländlichen Raum. Dennoch wurde es aus unserer Sicht verpasst bei den Kunden das Bewusstsein für die Wichtigkeit des lokalen Einkaufens zu schärfen. Die Konsequenzen haben weitreichende Folgen, die über die Produktverfügbarkeit hinausgehen. Stadtfeste, verkaufsoffene Sonntage und Co. sind ohne die Vielfalt an inhabergeführten Händlern nicht mehr das Gleiche. Das wirkt sich zwangsläufig auf die Attraktivität unserer Städte und Gemeinden aus und schließlich auch auf die Lebensqualität jedes einzelnen.


Über uns:
Die Initiative für Gewerbevielfalt setzt sich für den lokalen Einzelhandel und inhabergeführte Kleingewerbe in Deutschlands Städten und Gemeinden ein.
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