Nachrichten rund um die Initiative

15. Juli 2021

Regiona: „Man hält zusammen und unterstützt sich!“

Regiona.shop stärkt den Einzelhandel „made in Chiemgau“. Die Bestellung der regionalen Erzeugnisse von den lokalen Händlern kann vor Ort abgeholt oder deutschlandweit geliefert werden.  Das Credo: Wenn Online-Shopping, dann bei lokalen Händlern, die in ihrer Region weiterhin für ein stationäres Angebot sorgen. Als regionales Projekt unserer “Initiative für Gewerbevielfalt powered by Das Telefonbuch“ haben wir die Inhaberin Mora Netopil im Interview zu aktuellen Themen befragt.

Frau Netopil, die Inzidenzen gehen runter, die Impfungen rauf – eine Aufbruchsstimmung ist spürbar. Über den Berg sind wir nicht zuletzt auch durch die Delta-Variante jedoch noch nicht. Wie ordnen Sie die Lage für den Einzelhandel ein?

Mora Netopil: Unsere Erfahrungen zeigen, dass auf einen großen Teil des Kundenstammes Verlass ist. Denn bei allen Herausforderungen, die der ländliche Raum mit sich bringt, gibt es auch viele Vorteile, wie die starke Verbundenheit und das Gemeinschaftsgefühl in der Region.  Man hält zusammen und unterstützt sich! Das hatte zur Folge, dass mit der Öffnung des Handels auch wieder die Kunden kamen, die die persönliche Beratung und die Nähe zum Produkt wertschätzen. Als Tourismusregion zieht der Chiemgau darüber hinaus viele Besucher an. Aufgrund von Corona kamen in diesem Jahr sogar mehr als sonst, da Urlaub im eigenen Land pandemiebedingt im Trend ist. Allerdings werden die entgangenen Umsätze während des Lockdowns für viele nicht reinzuholen sein. Unsere Einzelhändler haben Stärke und Durchhaltevermögen bewiesen, für die Sie nun von uns Konsumenten durch unseren lokalen Einkauf belohnt werden sollten.

„Hybride Präsenz“ als Kombination von stationärer, lokaler Präsenz im Laden in Verbindung mit einem digitalen Auftritt ist für Gewerbetreibende längst nicht mehr wegzudenken. Wie wichtig ist diese zweigleisige Ausrichtung aus Ihrer Sicht?

Mora Netopil: Digitaler Auftritt in Form einer Webseite ist uns zu einfach gedacht. Mit einer Webseite beeindruckt man heute keinen mehr. Das wird als selbstverständlich angesehen. Auch ein Instagram-Account oder Facebook-Profil ist zumindest anzulegen, auch ohne täglichen Content. Es reicht, wenn man zumindest auf Anhieb Kontaktdaten und Öffnungszeiten findet und auch über die Social Media Kanäle mit den Unternehmen in Kontakt treten kann. Für uns sind digitale Lösungen die Zukunft, die dem Kunden das Einkaufen zum Erlebnis machen, die Informationen über die gesamte Lieferkette zur Verfügung stellen und die die Online- und stationäre Präsenz nicht nur des Händlers, sondern auch des Kunden voraussetzen. Kreative Köpfe sind nun gefragt hierfür Angebote zu schaffen. Wir von regiona arbeiten ebenfalls an derartigen Entwicklungen. An den Händlern liegt es dann, für das Neue offen zu sein, den Wettbewerbsgedanken abzulegen und mit Gleichgesinnten einer Region den Kunden einheitliche Lösungen anzubieten. Wir sind davon überzeugt, dass langfristig die Kooperation der Schlüssel zum Erfolg ist.

Welche Themen im KMU-Umfeld nehmen Sie aktuell wahr. Welche Trends und Herausforderungen stehen bei kleinen und mittelständischen Unternehmen basierend auf Ihrer Wahrnehmung aktuell ganz oben auf der Agenda?

Mora Netopil: Im Moment dürften viele noch am Bewältigen der Auswirkungen durch Corona sein. Auch die Angst vor einem 4. Lockdown macht sich langsam aber sicher breit. Nach solch wirtschaftlich herausfordernden Zeiten, wie die des Lockdowns, planen vermutlich die wenigsten aktuell langfristige große Investitionen. Obwohl eventuell gerade jetzt die richtige Zeit dafür wäre, sich für die Zukunft zu wappnen und neue Möglichkeiten zu ergreifen. Aber besonders für kleinere Unternehmen ist dieses antizyklische Verhalten nur schwer umsetzbar. Die finanziellen und personellen Kapazitäten werden meist durch alltägliche Herausforderungen wie z.B. dem Personalmangel beansprucht. Bereits vor Corona war es nicht leicht qualifiziertes Personal im Einzelhandel zu finden. Nachdem die Mitarbeiter in die Kurzarbeit geschickt wurden, haben viele die Branche gewechselt und stehen jetzt nicht mehr zur Verfügung. Die Gastronomie und die Hotellerie trifft das ebenfalls hart.

Bayern ist nach wie vor Deutschlands Nummer 1 in der Gewerbevielfalt, vor Berlin und Baden-Württemberg. Bei der Gewerbedichte (50) erreicht das Bundesland die deutschlandweite Bestmarke. Das geht aus unserem Whitepaper „Das Lokalgewerbe nach Corona“ hervor. Wie steht es aktuell um das Siegel „made in Chiemgau“?

Mora Netopil:  Regionale Produkte – insbesondere Lebensmittel – haben von der Pandemie profitiert. Das kann man schon so sagen, auch wenn die negativen Auswirkungen natürlich um ein Vielfaches gravierender sind und wir gerne auf die Pandemie hätten verzichten können. Ob der positive Effekt allerdings kurzfristig ist, oder auch zukünftig anhält, bleibt spannend. Wir würden uns wünschen, dass Letzteres eintritt. Das regionale Angebot jedenfalls gäbe es hierfür zur Genüge. Im Rahmen eines Projekts haben wir kürzlich alle Produkte erfasst, die im Chiemgau hergestellt werden. Von hochwertigen Schnäpsen bis hin zu handgemachten Premium-Rasierer und Naturseifen ist alles dabei. „Made im Chiemgau“ steht stets für hohe Qualität auch über die Grenze der Region hinaus. Auch wir planen in Zukunft die Entwicklung und Förderung weiterer regionaler Produkte. Im letzten Jahr haben wir unsere erste Eigenmarke Buddy’s Best gelauncht. Für die Herstellung des Premium Bio Hundefutters haben wir unser Unternehmen extra biozertifizieren lassen.

Bitte geben Sie uns einen kleinen Ausblick, was in der zweiten Jahreshälfte bei regiona geplant ist.

Mora Netopil: Corona hat auch uns zum Umplanen gezwungen. Geplante Projekte und Aktionen konnten nicht umgesetzt werden. Einige davon hoffen wir nun nachholen zu können. Gleichzeitig kamen neue Aufgaben durch zwei Förderprojekte hinzu. Aktuell arbeiten wir an einer App-Anwendung für den Einzelhandeln und einem logistischen Versorgungsnetz regionaler Erzeugnisse.

 


Über uns:
Die Initiative für Gewerbevielfalt setzt sich für den lokalen Einzelhandel und inhabergeführte Kleingewerbe in Deutschlands Städten und Gemeinden ein.
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