Nachrichten rund um die Initiative

19. August 2021

„Lokale Lieblingsorte sind die Sommersprossen auf dem Gesicht einer Stadt“

Regional Hero setzt sich für die kleinen und lokalen Lieblingsorte ein. Mit ihren City-Cards hat das Team um Gründer Gregor Arndt ein Gutscheinsystem entwickelt, das regionalen Anbietern zugutekommt. Per App können Kunden dort kontaktfrei einkaufen. Händler, Handwerker und andere Dienstleister präsentieren sich auf der Plattform regelmäßig mit neuen Angeboten. Das Ziel: Den Konsumkreislauf stärker regional zu verankern. Als regionales Projekt unserer Initiative für Gewerbevielfalt powered by Das Telefonbuch haben wir mit Arndt über sein Unternehmen gesprochen.

Liebe Herr Arndt, wie ist Ihr Projekt entstanden und was treibt sie an lokale Lieblingsorte zu unterstützen?

Gregor Arndt: Unser Engagement für Lieblingsorte hat bei der Non-Profit-Plattform Helfen.Berlin angefangen. Anlässlich der sich abzeichnenden Wirtschaftskrise ausgelöst durch Covid-19 haben wir Helfen.Berlin am 24. März 2020 gegründet, um die Auswirkungen der Krise auf lokale, inhabergeführte Unternehmen abzumildern. Wir entwickelten als Team in einer wahnsinnigen Geschwindigkeit eine Online-Plattform, auf der Gutscheine für die über 2600 registrierte Lieblingsorte gekauft werden konnten. Mithilfe der Initiative haben wir innerhalb von sechs Wochen Gutscheine im Wert von 1.6 Mio. € verkaufen können. Parallel dazu haben wir zusammen mit regionalen Partnern 40 weitere Plattformen in Deutschland und Europa unterstützt. Einerseits aufgrund des riesigen Erfolgs und andererseits durch die prekäre Fokusverschiebung weg vom stationären Handel hin zum Onlinehandel, der nochmal durch die Pandemie beschleunigt wurde, haben wir die Regional Hero GmbH gegründet.

Wie helft ihr Gewerbetreibenden dabei, insbesondere die neuen digitalen Herausforderungen zu meistern?

Gregor Arndt: Unsere Idee ist es, als Digitalisierungspartner mit einem klaren Fokus auf der regionalen Wirtschaft die Kaufkraft zum einen zurück in den regionalen Kreislauf zu bringen und zum anderen Unternehmen durch eine zukunftsorientierte Beratung wettbewerbsfit zu machen. Ziel unseres Unternehmens ist es als Digitalisierungspartner die Einzigartigkeit unserer Regionen zu bewahren. Es hat sich gerade während der Pandemie gezeigt, dass die Lösungen zur Stabilisierung einer Region nur über eine ganzheitliche Wirtschaftsförderung gedacht werden können. Mit einem klaren Fokus der Aktivierung der Gemeinschaft, verbinden wir die Menschen einer Region mit lokalen Gewerben, Vereinen, Verbänden, gemeinnützigen Organisationen und perspektivisch gesehen mit Partnern aus den Bereichen E-Commerce und E-Mobilität.

Dafür haben wir an der Schnittstelle von Digitalität, Regionalität und sozialem Engagement die flexible Regional Hero Plattform entwickelt und diese bereits erfolgreich in Berlin mit der B-Card in Kooperation mit dem rbb 88.8 und in München mit der Minga-Card in enger Zusammenarbeit mit MUCBook etabliert. Aus einer Vielzahl von Komponenten können Regionen verschiedene, an ihre individuellen Bedürfnisse angepasste Lösungen kombinieren. Hierbei kann auch auf vorhandene Strukturen (z.B. etablierte Stadt-Gutscheine oder Stadt-Portale) aufgebaut oder ein komplett neues System entwickelt werden. Somit bieten wir für jede Region eine maßgeschneiderte White Label Lösung an.

Welchen Beitrag leistet die City Card 3.0 zu einer florierenden lokalen Gewerbestruktur?

Gregor Arndt: Auftakt und Bindeglied einer regionalen Plattform sind die City-Card Gutscheine, die als geschlossener Geldkreis die regionale Wirtschaft fördern, in dem das Guthaben an die hiesigen inhabergeführten Unternehmen oder gemeinnützige Initiativen gebunden ist und nur dort eingelöst werden kann. Die City-Cards kommen mit einer Kundenapp, die zum Entdecken und Erleben einlädt, kontaktloses, sicheres Bezahlen ermöglicht und ein Kommunikationskanal für die teilnehmenden Gewerbe und Vereine abbildet, um mit den Konsument:innen in Kontakt zu treten. Darüber hinaus haben Unternehmen mit den City-Cards, die Möglichkeit doppelt Gutes zu tun. In Form von steuerfreien Sachbezügen können Arbeitgeber:innen jährlich bis zu 708 € steuer- und sozialabgabenfrei an ihre Mitarbeiter:innen als Motivation und Wertschätzung ausschütten und gleichzeitig den Arbeitgeberstandort stärken.

Weiterhin können im Rahmen der City-Cards im Handumdrehen Spendenplattformen erstellt werden, um gemeinnützige Initiativen zu unterstützen oder akute Krisenhilfe zu kanalisieren. Mithilfe von Cashtags kann Guthaben nicht nur an eine Region, sondern auch an einzelne Branchen, Kieze, Viertel, Veranstaltung, Zwecke etc. gebunden werden. So haben Unternehmen, Einwohner:innen, Einzelhändler:innen etc. ein Mittel, mit den #Cashtags ihre Region aktiv zu unterstützen und mitzugestalten. Summa Summarum bieten wir mit den City-Cards eine Gutscheinlösung inklusive Kund:innenbindung für lokale Gewerbe, eine Spendenlösung für gemeinnütziige Initiativen und ein Mitarbeiter:innen-Benefit-Programm für regionale Arbeitnehmer:innen.

Was macht für euch eine nachhaltige und attraktive Innenstadt aus?

Gregor Arndt: Der Ursprung und Kern unserer Idee sind die ganzen kleinen und lokalen “Lieblingsorte”. Aber was ist eigentlich ein Lieblingsort? Ein Lieblingsort ist der Kiezladen um die Ecke, das Lieblingsrestaurant, das gemütliche Café, das schöne Yogastudio, die einzigartige Modeboutique, die tolle Keramikwerkstatt usw. Ein analoger Ort, wo der Algorithmus geschlagen wird, man beraten wird, man sich kennt. Selten ist ein Lieblingsort eine Kette, ein überregionales Kaufhaus oder ein Onlineversandhandel. Das hat einen guten Grund, denn wahre Lieblingsorte zeichnen sich durch Einzigartigkeit, durch eine gewisse Entschleunigung, viel Liebe zum Detail und vor allem einen unverwechselbaren Charakter aus! Die Lieblingsorte sind die Sommersprossen auf dem Gesicht einer jeden Stadt – und so haben wir es uns auf die Fahne geschrieben, genau diesen Orten und den Regionen wo sie angesiedelt sind, langfristig als Partner zur Seite zu stehen, um sie im digitalen Zeitalter mit skalierbaren Lösungen zukunftsfähig zu machen. So möchten wir nicht nur die regionale Individualität feiern, sondern auch bewahren!

 


Über uns:
Die Initiative für Gewerbevielfalt setzt sich für den lokalen Einzelhandel und inhabergeführte Kleingewerbe in Deutschlands Städten und Gemeinden ein.
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