Nachrichten rund um die Initiative

30. Juli 2020

Mit oder ohne Pandemie – Business as usual funktioniert nicht mehr

Teil II des Kommentars unserer Expertin Julia Greven zur aktuellen Situation in Handel und Gewerbe. Julia Greven ist Gründerin und Geschäftsführerin von philla BrandXitement und Mitglied im Dienstleister-Expertennetzwerk „jetztagieren“. Seit 2018 unterstützt sie die Initiative für Gewerbevielfalt. 

Go diggi or die

Es ist wichtig, sich hybrid aufzustellen und sowohl offline wie auch online zu agieren. Laut Studie der Initiative für Gewerbevielfalt nehmen knapp 32 Prozent der kleinen und mittelständischen Betriebe die Entwicklung hin zur Digitalisierung und dem Onlinehandel wahr. Nichtsdestotrotz nutzen noch viel zu viele Unternehmen in Mittelstand und Kleingewerbe die Vorteile digitaler Technologien und Werkzeuge bislang nicht. Wer hier den Rückstand nun nicht schnell aufholt, wird abgehängt.

Sowohl

      • die Digitalisierung von Prozessen (bspw. Kundenmanagement, Warenwirtschaft, Buchhaltung, Payment etc.)
      • die Digitalisierung der Kommunikation (Nutzung digitaler B2B- und B2C-Kanäle von E-Mail über Newsletter bis hin zu Social Media) als auch
      • die Digitalisierung des Geschäftsmodells selbst (Onlineshop, Online Marktplätze, Social-Media-Shopping),

    sind entscheidend für die Zukunftssicherung von Industrie, Handel, Gewerbe und Handwerk.

    Zudem entwickelt sich der Innovationszyklus digitaler Technologien und Anwendungen exponentiell weiter. Während die meisten mittleren und kleinen Unternehmen sich noch in oder gar vor der digitalen Transformation ihrer Prozesse befinden, beschäftigen sich andere schon längst mit der Optimierung und Weiterentwicklung derselben (bspw. Virtual und Augmented Reality, Robotik, automatisierte Lagersysteme, Marketingautomation etc.).

    Marketing-Beraterin Julia Greven unterstützt seit 2018 unsere Initiative für Gewerbevielfalt als Expertin.

    Keine erfolgreiche Unterstützung ohne Eigeninitiative

    Ja, auch die Politik kann und muss helfen, Bürokratie insbesondere für kleinere Unternehmen abzubauen, die ansonsten darin untergehen, statt sich ihren Kunden widmen zu können. Diese Form der Unterstützung sowie weitere Förderungen durch die Politik wünschen sich 44 Prozent der Betriebe, wie die Umfrage der Initiative für Gewerbevielfalt zeigt. Weiterhin ergab die Studie, dass sich 43 Prozent der Entscheider in kleinen und mittelständischen Unternehmen ein Umdenken der Verbraucher hin zu mehr lokalem Einkaufen wünschen. Dieses Umdenken wird sich jedoch nicht erzwingen lassen, sondern lässt sich nur durch eine gute „Pull-Strategie“ bewirken, also durch Steigerung der Anziehungskraft = Attraktivität. Von der Aufmerksamkeit weckenden Gestaltung (im Einzelhandel: Fassaden, Schaufenster, Stores; im Handwerk: Fahrzeuggestaltung, Arbeitskleidung, Geschäftsauftritt) bis hin zur positiven Eigendarstellung und dem persönlichen Auftritt.
    Wichtig sind darüber hinaus ein individuelles und somit besonderes Angebot, ein faires Preis-Leistungs-Verhältnis, gute Qualität sowie all dies kommunizierende kontinuierliche Offline- wie Online-Marketingmaßnahmen.
    Business as usual gibt es schon lange nicht mehr. Auch vor Corona war der Markt bereits kräftig in Bewegung. Und für diejenigen, die schon vor der Pandemie ein eher mittelmäßiges Geschäft gemacht haben, stehen die Chancen nun besonders schlecht.

    Gemeinsam ist man stärker

    Mit oder ohne Pandemie – das stationäre Einkaufen wird sich immer stärker auf Cluster konzentrieren, und zwar gut gemischte und hochwertige. Ob in Straßen, Einkaufcentern, Vierteln oder auch innerhalb eines Geschäftes selbst: Auf die abwechslungsreiche Mischung von Bedarfsdeckung, Gastronomie, Handel und Handwerk, Erlebnis und Unterhaltung kommt es an. Denn nur dann haben Menschen Lust, sich dort zu treffen, zu flanieren und zu konsumieren.
    Zudem lassen sich durch solche Cluster Synergien nutzen und ein positiver „Spillover-Effekt“ generieren. Es lohnt also, in Quartiersmanager, branchenübergreifende Straßen- oder Viertels-Interessengemeinschaften und auch regionale Online-Marktplätze zu investieren.
    Ziel ist dabei, die Marketingmaßnahmen zu konzentrieren und aufeinander abzustimmen, also strategisch vorzugehen. Auch wichtige Faktoren wie Mobilitätsmanagement, Logistik und Infrastruktur lassen sich auf diesem Wege zusammen konzipieren und nutzen.
    Damit ein lokaler Verbund gemeinsam ökonomischen Nutzen generieren kann, muss allerdings auch jeder einzelne einen Mehrwert bieten und dazu beitragen.

    Es bleibt also dabei: Es beginnt mit der eigenen Motivation, dann kommt auch alles andere in Bewegung.

    Hier könnt ihr Teil I des Interviews lesen.

    Zum vollständigen LinkedIn-Artikel geht’s hier.

     


Über uns:
Die Initiative für Gewerbevielfalt setzt sich für den lokalen Einzelhandel und inhabergeführte Kleingewerbe in Deutschlands Städten und Gemeinden ein.
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